Dass Autos immer größer werden, ist kein Staatsgeheimnis. Der neuste 7er BMW ist 27 Zentimeter länger als sein Vorgänger vor rund 25 Jahren. Jeder Polo ist heute größer als früher ein Golf, jede C-Klasse als frühere E-Klassen – man kennt die Vergleiche. Die Annahme, dass mit den Abmessungen auch die Zahl der Passagiere wächst? Falsch. 2004 saßen im Schnitt 1,5 Menschen in einem Auto, damals schon waren der Berufs- und Dienstverkehr mit einer Auslastung von maximal 1,2 nicht vorbildlich. Heute liegt die mittlere Auslastung nur noch bei 1,3 – in der Tendenz also sinkend. Wir brauchen immer mehr Platz für immer weniger Menschen. Wir fahren mit Blick auf Klimakrise und Verkehrswende nicht nur in die falsche Richtung, sondern mit Vollgas in eine Sackgasse.

Seit jeher gibt es jedoch auch Beispiele, wie es anders geht. Da seien zum einen die Kei-Cars japanischer Autohersteller genannt. Die eckigen und hohen, aber sehr schmalen und kurzen Kisten werden hier belächelt, entstanden aber zunächst zum Zwecke der Belebung der japanischen Wirtschaft und erlebten ihren Boom dank Vorgaben von Millionenstädten wie Tokio: Die Kfz-Steuer wird anhand der beanspruchten Grundfläche bemessen und entfällt bei Kei-Cars ebenso wie die Nachweispflicht für einen eigenen Stellplatz. Also baut man bei Nissan, Toyota & Co. kleine Autos und bedarfsweise für die Ansprüche von Familien und Lieferanten in die Höhe. Das ist nicht nur logisch, sondern spart Geld. Fast jedes zweite in Japan registrierte Auto ist ein Kei-Car, schrieb der Tagesspiegel vor rund zwei Jahren unter dem Titel „Abrüstung in den Städten“. Bald schon könnten solche Konzepte hier beliebter werden, denn die Diskussion um die beanspruchte Fläche von Autos ist längst auch in Deutschland angekommen.

In Japan schon lange beliebt: die kleinen Kei-Cars. Doch es geht noch kleiner. Foto: Nissan

Dieser Tage ist sie etwa beim sogenannten Anwohnerparken Thema. Einerseits beklagen Verkehrswende-Vordenker:innen die im Verhältnis zu anderen Städten niedrigen Gebühren bei großem Flächenanspruch der Autos. Jeder Marktstand sei teurer. Und selbst der Miles-CEO Oliver Mackprang sagte schon zu FUTURE MOVES, dass Carsharing-Anbieter in Berlin monatlich über 100 Euro pro Auto an die Kommunen überweisen. Ein Anwohnerparkausweis koste dagegen gerade einmal 80 Cent, und so fordert Mackprang das Ende der Bevorteilung von privaten Pkw, da Carsharing-Fahrzeuge eine doppelt so hohe Auslastung haben.

Neben der Begünstigung des privaten Pkw zeigt das Beispiel auch, dass Gesetze und Vorgaben vielerorts nicht auf den Wandel eingestellt sind. Das zeigt auch das E-Scooter-Beispiel. Ein Blick in den US-Bundesstaat Washington verrät, warum wir jetzt schon auf kleine Pkw schauen müssen. In den USA nämlich kämpfen die Erdenker des Commuter Tango (siehe unten) seit mehr als einem Jahrzehnt darum, dass ihr ultraschmaler und -kurzer Einsitzer im Stau wie ein Motorrad zwischen den stehenden Fahrzeugen hindurch fahren darf, was Motorrädern bereits in vielen US-Bundesstaaten erlaubt und als Lanesplitting bekannt ist. 

Ein Italiener, der in Amsterdam für Furore sorgte. Foto: Estrima

Und in Amsterdam hat der Canta, das ist dieses altbacken wirkende Mini-Auto, das dort auch die Radwege nutzen darf, eine Sonderstellung. Er gilt als Rollstuhl mit Verbrennungsmotor und darf nur von darauf angewiesenen Menschen gekauft werden. Ein italienischer Hersteller namens Estrima brachte mit dem Birò ein ähnlich kompaktes E-Fahrzeug für 11.000 Euro. Eine stadtweite Parklizenz kostete etwa die Hälfte, die Anschaffung hätte sich nach zwei Jahren amortisiert. Natürlich kam das Konzept gut an und wurde insbesondere von reichen Vorstädter:innen für kostenlose Ausflüge ins Zentrum der Stadt genutzt. Die Radwege wurden durch den 60 km/h schnellen Birò voller, die Begeisterung der Radler:innen kann sich jede:r ausmalen. Der kleine Italiener wurde prompt wieder auf die Straße verbannt, wo fürs Parken Gebühren fällig sind. Das Ergebnis der entbrannten Diskussion: Kleinstfahrzeuge wie eben der Birò zahlen testweise deutlich niedrigere Gebühren, die Menschen aus der Vorstadt lassen ihre SUVs in der Garage. Und die Radler:innen werden wieder nur noch von vorbeibrausenden Canta-Fahrer:innen gegrüßt.

Man sieht, der Feldzug der Mikromobilität beginnt. Mit der zunehmenden Elektrifizierung, sinnvollen Second-Life-Lösungen und der Verbannung von konventionellen Autos aus den europäischen Hauptstädten punkten die Mikrokisten nicht mehr nur mit ihrer platz- und stausparenden Kompaktheit oder der Ressourcensparsamkeit. An cleveren Ideen für Microcars hat es noch nie gefehlt, nur wollte sie niemand so richtig. Ob das wohl an den Preisen liegt? 11.000 Euro für einen Birò und 8.000 Euro für einen Opel Rocks-e (siehe unten) wirken doch eher anspruchsvoll. Vielleicht könnten sich die Herren Lindner, Wissing und Habeck ja darauf einigen, künftig Zwei-, Drei- und kompakte Vierräder zu subventionieren statt fünf Meter langer SUV? In Österreich klappt’s doch auch schon.

Diese Mikroautos gibt es auch noch

Peel P50

Es gibt reichlich Mikroautos, gegen die ein Kei-Car wie der Nissan Cube wie ein fettes SUV wirkt. Den Anfang macht der Peel P50, der in den 1960er Jahren in Großbritannien 50-mal produziert wurde und bis heute den Rekord des kleinsten Serienautos der Welt hält. Und dem die in Benzin getränkte BBC-Sendung Top Gear zu weltweitem Ruhm verhalf. Das Team um den früheren Host Jeremy Clarkson entwarf – nicht ganz ernst gemeint, eine Mischung aus Roller und Vierrad-Mikroauto: den P45, der sogar eine britische Sonderzulassung erhielt.

Commuter Cars Tango

Der erste Kunde dieses Autos war George Clooney. Foto: Commuter Cars

Etwas ernster meinte es in etwa gleichzeitig Commuter Cars von der amerikanischen Westküste: Anfang der 2000er feierte der Tango als einer der ersten Einsitzer mit E-Antrieb sein Debüt. Ein Verkaufserfolg wurde er nicht: Laut Webseite sind genau zwölf Exemplare in Betrieb. Seit knapp zehn Jahren will Chefstratege Michael Weiser dem Tango zum Durchbruch verhelfen – die Zeit dafür ist wohl reif. Er macht in den Social-Kanälen unter dem Hashtag #ThinMobility bist heute Werbung für das besonders platzsparende Kfz. Er verrät, dass auf einem typischen Normparkplatz in Neuseeland Platz für vier Tangos ist und man sie, wie den in Deutschland beliebten Kleinwagen Smart, quer parken kann.

Renault Twizy

Das klappt übrigens auch mit dem Renault Twizy ganz gut, der, wenn wir ehrlich sind, seiner Zeit ganz schön voraus war. Nicht nur im 1+1-Sitzer wehte ein frischer Wind: Auch Lieferdienste nutzten ihn gerne, weil er verhältnismäßig erschwinglich und mit 80 km/h ganz schön schnell war. Mittlerweile wurde er jedoch eingestellt.

Citroën Ami / Opel Rocks-e

Ob der Opel Rocks-e bald häufig in Städten zu sehen sein wird?

Beim konkurrierenden Stellantis-Konzern hat man offenbar erkannt, dass die meisten Menschen sich eine geschlossene Kabine wünschen und den ultrakompakten Citroën Ami entwickelt, den es in Deutschland nun auch gibt, und zwar als Opel Rocks-e. Der 8.000 Euro teure Miniflitzer fährt 45 km/h, darf damit mit einem Führerschein der Klasse AM und damit sogar ab 15 Jahren gefahren werden. Eine Cargoversion soll Lieferungen auf der letzten Meile ermöglichen, die Reichweite 75 Kilometer betragen. Besonders ressourcenschonend soll er sein, dank einfacher Konstruktion. Wird er so zur Piaggio Ape der Deutschen?

Piaggio Ape

Denn die schickt Italien. Piaggio Ape, das ist dieser Kabinenroller mit Ladefläche, der nach Pizza, Pasta und Schiefer Turm im Italien-Reiseführer abgebildet ist. Das fleißige Bienchen kommt dort als Müllabfuhr und Lieferwagen zum Einsatz. Ohne die Ape ginge in Italien nichts, oft ist sie das einzige Fahrzeug, das die engen Gassen im Centro meistern kann. Einige Betriebe bauen die Ape hierzulande auf Elektro um.

Rikscha und Tuktuk

Normalerweise hat man bei Audi eher SUV und Luxuskarossen im Kopf. Diesmal nicht. Foto: Audi

Ähnlich bekannt, beliebt und – pardon – ikonisch sind Rikscha und Tuktuk. In Berlin sieht man sie wohl hier und dort, in Wien auch. Doch gerade in südeuropäischen Städten wie Lissabon werden die kleinen Fahrzeuge immer präsenter. Natürlich liegt das Zuhause der Rikscha in Asien, insbesondere in Indien. Dort schickt Audi ab Anfang 2023 zusammen mit dem indischen Start-up Nunam drei E-Rikschas auf die Straßen. Der Ingolstädter Autobauer will testen, wie sich ausgediente Batterien aus Plug-in-Hybrid- und Elektrofahrzeugen im Second-Life-Einsatz schlagen. Denn was viele nicht wissen: Eine Batterie, die im Auto nicht mehr gut zu gebrauchen ist, kann in stationären Speichern, aber auch vom E-Scooter bis zur E-Rikscha wiederverwertet werden.

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Michael Weiser

Michael Weiser

Seit über neun Jahren setzt sich Michael Weiser für den Tango von Commuter Cars ein. Als Stratege und Büroleiter in Chicago hat er Lobbyarbeit betrieben und Treffen mit politischen und akademischen Führungskräften ausgerichtet. Außerdem steckt er hinter dem Hashtag #ThinMobility.